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Aktuelles, Archiv - 27.09.2016

Der Preis der Mode – Arbeitsbedingungen in Textilfabriken in Bangladesch

Am Donnerstag, den 22. September 2016 besuchte die Wiener Journalistin Frau Anna Holl die Sozialwesen-Klassen 8F und 9E, um sie im Rahmen der Fair-Trade-Schule über die Arbeits- und Lebensbedingungen der Arbeiter und Arbeiterinnen in der Textilindustrie in Bangladesch zu informieren.

Frau Holl bereiste im vergangenen Jahr sechs Wochen lang Bangladesch, um vor Ort Erfahrungen zu sammeln, die sie auf sehr lebendige und anschauliche Weise den Klassen präsentierte:

Nachdem die Schülerinnen und Schüler an den Etiketten in ihrer Kleidung festgestellt hatten, dass diese vorwiegend in asiatischen Ländern gefertigt worden war, erfuhren sie, dass dies bei 90 Prozent der bei uns verkauften Kleidung der Fall ist und dass Bangladesch nach China der zweitgrößte Exporteur von Kleidung ist.

Zahlreiche Bilder von Arbeitern, mit denen sie persönlich gesprochen hatte, von deren Wohnungen in den Textilvierteln in der Hauptstadt Dhaka, von Straßenszenen, Textilfabriken und einer Weberei auf dem Land sowie von Landschaften mit verseuchten Flüssen hinterließen einen nachhaltigen Eindruck bei den Schülern, die gebannt den Ausführungen der Journalistin lauschten.

Frau Holl erkannte auf ihrer Reise vier Grundprobleme, mit denen die Menschen in Bangladesch konfrontiert sind:

1.       Unfälle in Fabriken:

Da es keine gesetzlichen Sicherheits- oder Bauvorschriften gibt, werden Fabrikgebäude mit vergitterten Fenstern zur Todesfalle, wenn ein Feuer ausbricht. Auf Treppen gelagerte Stoffballen entzünden sich und versperren den Fluchtweg. Schlechte Baumaterialien und marode Bausubstanz ermöglichen ein Unglück, wie es sich vor drei Jahren im Rana Plaza –Gebäude ereignete und bei dem über 1200 Menschen den Tod fanden.

2.       Niedrige Löhne:

Menschen, die umgerechnet 20 Euro bezahlen, um das Nähen zu lernen, arbeiten für einen Mindestlohn von 60 Euro in den Textilfabriken. Würde der für deutsche Näherinnen geltende gesetzliche Mindestlohn von 1400 Euro gezahlt werden, würde sich der Preis der Mode vervielfachen – dies ist aber nicht im Interesse der Weltwirtschaft! Für die Näherinnen in Bangladesch bedeutet dieser Hungerlohn jedoch, dass sie sich keine Existenz aufbauen können und sich im Krankheitsfall heillos verschulden.

3.       Keine Arbeitsrechte:

Es gibt fast keine Möglichkeit, für bessere Arbeitsbedingungen zu kämpfen, da hierzulande übliche Gewerkschaften und Arbeitnehmervertretungen dort meist verboten sind. Überstunden können beliebig angeordnet werden.

4.       Massive Umweltverschmutzung:

Die in allen Bereichen der Textilindustrie anfallenden Chemikalien werden ungeklärt in Flüsse eingeleitet, geraten in das Grundwasser und schaden der Gesundheit. So gerät das zum Gerben von Leder eingesetzte Chrom auch in das Trinkwasser und schädigt vor allem die Leber, Leberkrebs und Gelbsucht sind häufige Krankheiten.

In einer abschließenden Fragerunde wurde Frau Holl auf ihre Kleidung angesprochen: Sie selbst findet es wichtig, Kleidung wertzuschätzen und lange zu tragen, sie vor allem aber nicht in Billigläden zu kaufen, da diese mit zu den schlimmsten Preisdrückern gehören, die für die unwürdigen Arbeitsbedingungen in Asien verantwortlich sind. Als Alternative nannte sie die „Armed Angels“, deren faire Mode in fairen Bekleidungsgeschäften erhältlich ist. Auch Kleidertausch unter Freunden ist eine Möglichkeit, die Umwelt zu schonen.  Leider sind wir häufig bereit, unsere Werte aufzugeben, um dann „wertlose“ Dinge zu kaufen, die unter menschenunwürdigen Bedingungen hergestellt werden.

Mit Schoko-Erdnüssen aus fairem Handel wurden die Klassen verabschiedet, die Frau Holl mit einem großen Applaus dankten.